Die Wirklichkeit hinter dem Klischee Convos-Gymnasiasten und Religionslehrer Stefan Schwarz besuchen Soester Bestattungsunternehmen Bestattermeister Sascha Bovensmann erzählt über beruflichen Alltag und exotische Bestattungswünsche

Bestattermeister Sascha Bovensmann (links) zeigte den Convos-Schülern Sophia Mondry und Marvin Dohle verschiedene Urnen für die Feuerbestattung. Foto: Zwadlo
Soest. Die Exkursion zum Bestattungsunternehmen "Sträter" wird den Schülern des Conrad-von-Soest-Gymnasiums sicher noch lange im Gedächtnis bleiben.
Kein Wunder: Wie oft schon steht man als junger Mensch in einem Raum voller Särge und Urnen und bekommt die volle Auswahl präsentiert: Soll es der schlichte Holzsarg aus leichter Kiefer sein – oder doch lieber das nachtschwarze Luxusmodell aus Mahagoniholz und Klavierlack?
Doch wer sich Gedanken über den Tod und seine Beerdigung macht, kommt um solche Entscheidungen nicht herum. "Wer das Geld hat, kann seine Asche auch in den Weltraum schießen lassen", erklärt Sascha Bovensmann später in der Trauerhalle. Doch zugleich gibt der Bestattermeister zu: "In Soest hat es das allerdings noch nicht gegeben."
Doch zum Job des Bestatters gehört noch wesentlich mehr, als nur die Beratung bei der Auswahl des Sarges, lernte Convos-Schülerin Sophia Mondry: "Ich wusste gar nicht, dass das Organisatorische ebenfalls dazu gehört", sagt die 15-Jährige. Und auch ihr Mitschüler Marvin Dohle hat viel Neues dazu gelernt: "Dass es die Seebestattung auch in Deutschland gibt: Das habe ich vorher nicht gewusst."
Im Religionsunterricht von Convos-Lehrer Stefan Schwarz beschäftigen sich die Neuntklässler derzeit mit dem Tod und der Trauerbewältigung von Christen, Juden und Moslems. Ein wichtiger Teil des Unterrichts war auch die Exkursion zum Bestattungsprofi.
Und der nahm sich viel Zeit, um alle Fragen ausführlich zu beantworten: Etwa, wie viel eine Beerdigung kostet ("4 000 bis 6 000 Euro für Erdbestattung, Feuerbestattung ist günstiger"). Oder, ob die Beerdigung von den Angehörigen selber vollzogen werden darf ("Ja, aber da muss man auf viele Sachen achten. Zum Beispiel dürfen die Toten nur in bestimmten Fahrzeugen transportiert werden.").
Sascha Bovensmann erzählte nicht nur über seinen beruflichen Alltag, sondern präsentierte auch exotische Bestattungswünsche: Etwa künstliche Diamanten, die aus der Asche des oder der Verstorbenen hergestellt werden können. Oder dass sich manche Musiker mit ihren Musikinstrumenten bestatten lassen.
Nach der Führung verhielten sich die Schüler allesamt ein bisschen ruhiger und nachdenklicher als sonst. "Ich habe mir schon Gedanken über den Tod gemacht", sagte etwa Sophia Mondry. "Aber wie ich bestattet werden will, das weiß ich noch nicht."
-- Autor: David Zwadlo Veröffentlicht im: Soester Anzeiger, 15. März 2011

